Karsamstag und Hinführung zur Osternacht

Liebe Schwestern und Brüder,

in der Osternacht ist unser Herr Jesus Christus vom Tode auferstanden und  zum Leben hinübergegangen. Darum hält die Kirche in der ganzen Welt diese Nacht heilig.

Sie lädt ihre Söhne und Töchter, wo immer sie wohnen, ein, zu wachen und zu beten. Auch wir sind eingeladen zu beten.

Noch bevor wir die Osterbotschaft hören, entzünden wir die Osterkerze als Symbol unserer Hoffnung. Denn: "Sein ist die Zeit. Sein ist die Ewigkeit." Gott selbst ist der Grund, weshalb wir diese Nacht nicht als finstere Nacht empfinden. Wenn Gott so ist, wie die Bibel Israels von ihm spricht und wie Jesus ihn zeigte, dann haben wir das ewige Leben.

Exsultet (Osterlob)

Die Feier der Osternacht wird mit dem Osterlob nach dem Anzünden der Osterkerze eröffnet. Es wird vom Priester, Diakon oder vom Kantor gesungen. Das Osterlob bildet den abschließenden Höhepunkt der österlichen Lichtfeier:

"Frohlocket, ihr Chöre der Engel, ihr  himmlischen Scharen, lasset die Posaune erschallen, preiset den Sieger, den erhabenen König! Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe!

Licht des großen Königs umleuchtet dich. Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel. Auch du, freue dich, Mutter Kirche, umkleidet von Licht und herrlichem Glanze! Töne wider, heilige Halle, töne von des Volkes mächtigem Jubel...

In dieser gesegneten Nacht, heiliger Vater, nimm an das Abendopfer unseres Lobes, nimm diese Kerze entgegen als unsere festliche Gabe! Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche durch die Hand ihrer Diener.

So bitten wir dich, o Herr: Geweiht zum Ruhm deines Namens, leuchte die Kerze fort, um in dieser Nacht das Dunkel zu vertreiben. Nimm sie an als lieblich duftendes Opfer, vermähle ihr Licht mit den Lichtern am Himmel.

Sie leuchte, bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht: dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, der von den Toten erstand, der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht, der lebt und herrscht in Ewigkeit."

Lesung aus dem Buch Génesis.

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über die Kriechtiere auf dem Land.

Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.

Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung.

So geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. (Gen 1)

Antwortgesang aus Psalm 104

Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.

Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin.

An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, aus deinen Wolken wird die Erde satt. Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut.

Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bist du!

Tagesgebet

Gott, du hast diese Nacht hell gemacht durch den Glanz der Auferstehung unseres Herrn. Erwecke in deiner Kirche den Geist der Kindschaft, den du uns durch die Taufe geschenkt hast, damit wir neu werden an Leib und Seele und dir mit aufrichtigem Herzen dienen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Mágdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.

Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist  auferstanden wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag.

Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, und dort werden sie mich sehen. (Mt 28,1-10)

Kurzauslegung

Der Evangelist Matthäus beschreibt das Geschehen, dass der Gekreuzigte durch die Macht Gottes auferweckt wurde in eindrücklichen Zeichen: er spricht von einem Erdbeben, von Engelserscheinungen und von Grabwächtern, die zu Boden sinken.

Die Auferstehung Jesu wird nicht direkt beschrieben, aber in ihren Folgen auf Grab und Wächter gibt es große Auswirkungen. "Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden", so wird das Ereignis beschrieben. Der Akt der Auferweckung selbst ist verhüllt, aber eingebettet in Zeichen wie Erdbeben und Engelserscheinung.

In den Zeichen der Osternacht, dem Feuer sowie dem Licht, sehen wir Hinweise auf das göttliche Wirken in dieser Nacht, auf sein ewiges Licht, auf sein ewiges Leben, an dem wir durch die Auferstehung Jesu teilhaben.

Im Evangelium hören wir von den Frauen, die das Grab besuchten, und zu denen der auferstandene Jesus sprach: "Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen."

Die Wirklichkeit des Todes ist für uns Menschen nicht abzuleugnen und anzuerkennen. Aber das Geheimnis der Auferweckung Jesu soll  uns deutlich machen, dass Gott "Ja" zu unserem ewigen Leben sagt.

Taufwasser- und Osterkerzenweihe

In der Taufwassersegnung deutet Paulus im Römerbrief (Röm 6,3-5) das christliche Taufverständnis, das bis in die heutige Zeit gültig ist: "Wir alle, die wir auf Christus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden. Und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben."

Bei den Worten: "Durch deinen geliebten Sohn steige herab in dieses Wasser die Kraft des Hl. Geistes, damit alle, die durch die Taufe mit Christus begraben sind in seinem Tod, durch die Taufe mit Christus auferstehen zum ewigen Leben", werden die Osterkerzen von St. Martin, Heilig Kreuz und St. Wolfgang in das gesegnete Wasser eingetaucht.

Fürbitten

Ostern ruft uns heraus ins Dasein und Gott erneuert unser Leben. Ihn bitten wir:

  • Wir beten für die Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind und schwer zu leiden haben.
    Gott, unser Vater, wir bitten dich erhöre  uns.
  • Wir beten für alle Menschen, die von der aktuellen gesundheitlichen Krise in vielen Bereichen betroffen sind. Schenke ihnen neuen Mut und Kraft.
    Gott, unser Vater, wir bitten dich erhöre uns.
  • Gott, der Alltag lässt Menschen stumm werden. Schenke ihnen deinen Geist des Lebens.
    Gott, unser Vater, wir bitten dich erhöre uns.
  • Wir beten für alle Helferinnen  und Helfer der notleidenden Menschen.
    Gott, unser Vater, wir bitten dich erhöre uns.
  • Christus hat den Tod besiegt. Tröste alle Trauernden und schenke uns ein Wiedersehen mit unseren lieben Verstorbenen in der Gemeinschaft mir dir.
    Gott, unser Vater, wir bitten dich erhöre uns.

Gott, in der Auferweckung deines Sohnes hast du gezeigt, dass du das Leben für den Menschen willst. Dafür danken wir dir jetzt und alle Zeit.

Segensgebet

In dieser Nacht, die erhellt ist durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, segne euch der gütige Gott und bewahre euch vor Finsternis. In Christus haben wir Anteil am ewigen Leben; in ihm führe euch Gott zur unvergänglichen Herrlichkeit. Unser Erlöser hat uns durch die Tage seines Leidens zur österlichen Freude geführt. Er geleite euch alle Tage des Lebens bis zu jener Osterfreude, die niemals endet.

Ich wünsche allen Gesundheit und ein gesegnetes und frohes Osterfest.

Ihr Pfarrer Wolfgang Jäger