Tagesimpuls 9. April 2020 Gründonnerstag

Gründonnerstag

Eröffnungsvers: Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit.

Mit der Liturgie an diesem Abend treten wir ein in das Triduum sacrum, der österlichen Feier des Leidens, Sterbens und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Wir feiern die Quelle unseres Glaubens: die Liebe, die uns Gott schenkt. Diese Botschaft, die das Handeln Jesu prägte, wird heute sichtbar in der Erinnerung an das Letzte Abendmahl. Jesus gibt sich selbst in Brot und Wein. Wir sind eingeladen, seine Liebe an uns geschehen zu lassen, um leben zu lernen.

(Gloria: Zum Gloria läuten abwechselnd die Altarglocken. Dann schweigt die Orgel bis zum Gloria in der Osternacht.)

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, am Abend vor seinem Leiden hat dein geliebter Sohn der Kirche das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet. Gib, dass wir aus diesem Geheimnis die Fülle des Lebens und der Liebe empfangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther.

Schwestern und Brüder, ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt,  zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Kurzauslegung

Heute gedenken wir des letzten Abends im Leben Jesu. Er wusste am Abend vor seinem Leiden, dass es sein letzter Abend sein wird. Paulus berichtet uns in dieser Lesung: Jesus bricht das Brot. Das Brechen des Brotes deutet auf seinen Tod hin. Wie das Brot gebrochen wird, so wird er zerbrochen am Kreuz. Er sagt dazu: "Das ist mein Leib!" D.h. - das bin ich selbst -für Euch. Und er sagt, dass er sogar in seinem Sterben seine Liebe schenkt. Dass er sich verschenkt in seinem Tod. Und schließlich fügt er hinzu: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Er zeigt damit seinen Jüngern, dass in diesem Brotbrechen ein Sinn steckt, der über seinen Tod hinausreicht.

Wir können dies auf die heutige Zeit anwenden: Wenn wir Eucharistie feiern, schenkt er uns auch heute seinen Leib und seine Gegenwart. Nicht nur symbolisch. Wie das möglich ist, bleibt ein Geheimnis. Die Eucharistie ist so ein Denkmal. Jesus schenkt uns etwas, was auch geschichtlich nach seinem Tod fortdauert. Die Frage ist ja, wie wir mit Jesus auch nach 2000 Jahren in Verbindung bleiben können. Die Eucharistie schenkt uns Kommunikation, die Verbindung und Austausch mit Christus. Eucharistie bedeutet: Christus ist in uns - und wir sind in Christus.

Die Feier in der Kirche und das Leben draußen im Alltag gehören zusammen. Wir sind aufgefordert, ein Stück von unserem Leben, unserer Liebe, Hoffnung und Trost - anderen zu schenken. Unser Leben ist eingespannt in den Kreislauf eines Jahres. Manchmal läuft das Lebensrad ganz locker, aber doch nicht rund, wie wir es wünschen. Ein Rad, das ruhig und sicher laufen soll, auch in kritischen Zeiten, muss sich um eine Mitte drehen. Am Gründonnerstag soll dieses Rad einmal zur Ruhe kommen. Denn wir besinnen uns gemeinsam auf diese Mitte, um die sich unser Christenleben dreht. Im Geschehen des Abendmahls zeigt sich alles, was für unser Leben und unsere Gemeinde wichtig ist. Am Ende unseres Lebens werden wir nach der Liebe gefragt. Die Liebe ist es, die uns zusammenbringt. An der Liebe  zum Nächsten muss sich der Christ noch heute messen lassen.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott, du hast uns heute im Abendmahl deines Sohnes gestärkt. Sättige uns beim himmlischen Gastmahl mit dem ewigen Leben. Darum bitten wir dich Christus, unseren Herrn. Amen.

(Übertragung des Allerheiligsten: Das Allerheiligste wird zum Aufbewahrungsort gebracht, die Ministranten räumen den Altar ab, der Tabernakel ist offen.)

Erklärende Worte zur Entblößung des Altars

Nach dem Abendmahl standen sie auf - er und seine Jünger - und gingen zum Ölberg. Es wurde dunkel. Jesus durchlitt Todesangst, wurde verraten, gefangen genommen und verhöhnt. Alle Menschlichkeit fehlte. Ohne Würde und Ansehen stand er da. Zum Zeichen dafür wird der Altar entblößt.

Das Gebet am Ölberg: "Wachet und betet!" - So fordert Jesus seine Jünger auf. So fordert er auch uns in dieser Nacht auf.

Ich lade Sie ein zum Gebet am Ölberg (GL 925,1):

Wir blicken auf Jesus und gehen mit ihm durch die letzte Nacht seines irdischen Lebens. Es ist die Nacht der Angst und der Verzweiflung, die Nacht des flehenden Gebets. Auch wir kennen Nöte, in denen wir  um den Willen des Vaters ringen. Bringen wir vor Gott unsere bangen Herzen  und die Angst aller Menschen, die in dieser Nacht verzweifelt zu ihm beten.

L: Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war,  zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm. Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet darum, dass ihr nicht in Versuchung geratet! Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm neue Kraft. (Lk 22,39-44)

Ihr Pfr. Wolfgang Jäger