Tagesimpuls Sonntag 2. August 2020

18. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
"Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide." Dieser Ausspruch von Johann Wolfgang v. Goethe aus seinem Gedicht ist einigen vielleicht bekannt. Er bringt unseren Hunger nach mehr Essen, Trinken und Hilfe zum Ausdruck. Unerfüllte Sehnsucht lässt den Menschen aber auch leiden.
Jesus ist gekommen, um diese Sehnsucht nach Mehr - den Hunger der Menschen zu stillen. In der wunderbaren Brotvermehrung lässt er die Jünger sein Brot austeilen: So will er auch uns in den Dienst stellen, den Menschen zu helfen.

Tagesgebet
Gott, unser Vater, steh deinen Dienern bei und erweise allen, die  zu dir rufen, Tag für Tag deine Liebe. Du bist unser Schöpfer und der Lenker unseres Lebens. Erneuere deine Gnade in uns, damit wir dir gefallen, und erhalte, was du erneuert hast. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.
Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sagten zum ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern.
Die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen  und wurden satt. Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwas fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch die Frauen und Kinder.  (Mt 14,13-21)

Kurzauslegung
Mit dem Boot fährt Jesus allein in der Abenddämmerung über das klare Wasser. Dann geht er an Land. Irgendwo schlägt er das Zelt auf - und bevor er einschläft, denkt er nach: "Manchmal sind zu viele Menschen um mich. Es gibt viel Lärm und es gibt viel nichtiges Gerede. Vater ich wollte deine Nähe in der Einsamkeit. Dies ist mir ein wichtiges Lebensbedürfnis." Mit ähnlichen Gedanken wird er wohl eingeschlafen sein.
Aber Tatsache ist, dass keine Gegend so einsam sein kann, dass der Andrang der heilshungrigen Menschen ihn nicht findet. Am frühen Morgen macht Jesus wieder eine Bootsfahrt über den ruhigen See. Als es hell wird, kann er seinen Augen kaum trauen: Eine große Schar wartet am Ufer auf ihn. Jesus sieht ihre staubigen Füße und die Tragbahren mit den Kranken. Er schickt sie aber nicht fort. Er will ihnen helfen.
Gegen Abend stellt sich heraus, dass die Leute ja gar nichts zu essen haben. Nun aber wird die Situation schwierig. Die Gegend ist abgelegen und der Vorrat reicht nicht für so viele Menschen. Jesus sagt zu seinen Jüngern: "Gebt ihr ihnen zu essen." Der Nächste soll dem Nächsten helfen. Die Jünger sagen aber, sie hätten nur fünf Brote und zwei Fische. Doch Jesus blickt zum Himmel hinauf. Dies soll andeuten: Gott ist hoch erhaben, aber er ist trotzdem überall und zeigt seine Güte. Dann sprach Jesus den Lobpreis, d.h. er betete ein Tischgebet. Wir Christen sollen das gleiche tun. Und es bedeutet: Wir leben aus der Hand Gottes. Das Essen wird so nicht nur ein menschlicher, sondern auch ein religiöser Vorgang.
Brotvermehrung meint: Geben wir auch den Armen zu essen, auch wenn es nur ein kleines Stück Brot ist. Durch unsere Beteiligung nach unseren Möglichkeiten und durch unser Gebet wahren wir das diakonische Element unserer Kirche.

Fürbitten
Lasst uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus, der die Not der Menschen wenden kann:

  • Für die Menschen, deren Hunger niemand stillt, die sich sehnen nach Brot und menschlicher Nähe.
  • Für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, dass sie den Menschen zu Arbeit und Brot verhelfen.
  • Für die Engagierten in den Hilfswerken, die auf Hindernisse stoßen und den Mut verlieren.
  • Für unsere Verstorbenen, dass sie in deinem Reich Geborgenheit und Frieden finden.

Herr, du schickst keinen weg, der dich um Hilfe bittet. Dich preisen wir in Ewigkeit.

Schlussgebet
Barmherziger Gott, in den heiligen Gaben empfangen wir neue Kraft. Bleibe bei  uns in aller Gefahr und versage uns nie deine Hilfe, damit wir der ewigen Erlösung würdig werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wort der Freude
Ferien, Zeit zum Ausruhen, zum Schlafen, für Musik, Sport und Ausflüge. Ferien, freie Zeit für mich. Ferien heißt auftanken und neue Kraft bekommen, so ist es richtig. Herr, schenke auch denen Freude und Erholung, die nicht wegfahren können, die arbeiten müssen oder die krank sind. (Aus: Gebete für alle Tage)

Eine schöne Ferienzeit wünscht Ihnen Pfarrer Wolfgang Jäger