Tagesimpuls Sonntag 9. August 2020

19. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
im Leben eines Menschen gibt es immer wieder Situationen, in denen es darum geht, etwas zu riskieren. Jedes Wagnis hat mit Mut und Vertrauen zu tun, weil ja nicht vorhersehbar ist, was passiert. Sich auf neues, unbekanntes Gelände zu begeben macht Angst und verunsichert. Halten wir fest im Glauben, dass Gott auch die Menschen auf schwierigen Wegen begleiten wird.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott, wir dürfen dich Vater nennen, denn du hast uns an Kindes Statt angenommen und uns den Geist deines Sohnes gesandt. Gib, dass wir in diesem Geist wachsen und einst das verheißene Erbe empfangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.
Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen. Er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.
Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es: fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Kurzauslegung
Liebe Schwestern und Brüder,
alle fragen sich: Konnte Jesus über das Wasser laufen oder nicht? Was wir heute im Evangelium von Jesus gehört haben, gehört zu den Wundern, über die es viel zu diskutieren gibt. Dieser Gang über das Wasser regt auch zum Staunen an. Aber es geht in diesem Evangelium nicht wirklich um die Frage, ob Jesus übers Wasser laufen konnte oder nicht. Zumindest nicht im naturwissenschaftlichen Sinne. Die Botschaft des Evangeliums ist viel tiefgründiger, als der Bericht von einem Menschen, der über das Wasser laufen kann. Die eigentliche Nachricht lautet: Christus bezwingt alle Gefahren, die uns drohen. Er bezwingt auch den Tod.
Das Evangelium hat die Osterbotschaft in sich. Was bedeutet so die Fahrt auf dem gefahrvollen See? Dies ist vor allem ein Bild für unser tägliches Leben. Für die Jünger ist es außerdem eine normale Erfahrung. Als Fischer sind sie es gewohnt, gerade bei Nacht auf dem See zu sein. Es ist ihre eigentliche Arbeitszeit. Denn der Fischfang ist nachts besonders groß. Dann, wenn die Fische aus dem Meeresgrund nach oben steigen. Die Jünger kennen die Gefahren des Sees. Es entstehen plötzlich gefährliche Winde. Dadurch gibt es große Wellen. Und es gibt Strömungen im Wasser.
Auch in unserem eigenen Leben können uns solche große Wellen treffen, so dass wir vielleicht unseren Halt verlieren. Unser Leben ist immer zerbrechlich und es ist vielen Gefahren ausgesetzt. Unser Leben ist so auch eine Fahrt auf dem Wasser. Es ist eine  irdische Reise durch viele Untiefen. Auch die Jünger haben Angst. Diese Angst verschwindet, sobald Jesus mit ihnen spricht. Er sagt: "Habt Vertrauen, ich bin es. Fürchtet euch nicht." So sollen auch wir Menschen Vertrauen zu Jesus haben, der uns seine Hand ausstreckt, wenn wir in unserem Leben nicht mehr weiter wissen.

Fürbitten
Wir bitten unseren Herrn in den Anliegen unserer Zeit:

  • Für die Menschen, die unter der Corona-Krise zu leiden haben.
  • Für die Menschen, deren Würde mit Füßen getreten wird.
  • Für die Langzeitarbeitslosen, dass sie wieder eine Chance bekommen.
  • Für die Menschen, die Angst vor der Zukunft haben.
  • Für die Verstorbenen, dass sie bei Gott Geborgenheit finden.

Gütiger Gott, du bist allen nahe, die mit ehrlichem Herzen dich suchen. Sei gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.

Schlussgebet
Barmherziger Gott, das heilige Sakrament bringe uns Heil. Es erhalte uns in der Wahrheit und sei unser Licht in der Finsternis. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wort der Freude
Mit allen Glaubenden und für alle Suchenden, mit den Kindern und den Jugendlichen, den Erwachsenen und Alten möchte ich unsere Besinnung zum Gebet werden lassen: "Herr, Jesus Christus, vom Mutterschoß an bist du mein Beschützer. Verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden und komm mir zu Hilfe mit deinem Erbarmen!" (Johannes Paul II.)

Ihr Pfarrer Wolfgang Jäger