Tagesimpuls Sonntag 19. Juli 2020

16. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
auf dieser Erde gibt es nichts Vollkommenes. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass Unvollkommenes  und Schädliches zum Leben gehören. Lasst auch das Unkraut wachsen, ruft Jesus durch das Gleichnis vom Unkraut auf dem Weizenfeld. Er möchte aber, dass wir das Gute fördern. Letztlich liegt es in Gottes Verantwortung, nach der Ernte zu urteilen, was an Nützlichem und Schädlichem gewachsen ist.

Tagesgebet
Herr, unser Gott, sieh gnädig auf alle, die du in deinen Dienst gerufen hat. Mach uns stark im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, damit wir immer wachsam sind und auf dem Weg deiner Gebote bleiben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit erzählte Jesus der Menge das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.
Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?
Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in die Scheune. (Mt 13,24-30)

Kurzauslegung
Das Gleichnis fängt viele schmerzliche Erfahrungen unseres Lebens ein. Es erzählt von der Gebrochenheit der Menschen, von der Schwäche unseres Glaubens, von Misserfolgen und Rückschlägen.
Weizen und Unkraut stehen in unserer Welt und in unserem Leben oft nah beieinander. Gartenbesitzer werden das Unkraut jäten, es bekämpfen und alle möglichen Mittel einsetzen, um die Plage zu beenden. Anscheinend können viele mit dem Wildwuchs nur sehr schwer leben.
Doch wenn wir sagen: "Reiß es aus!", sagt Jesus: "Lass es stehen!" Es ist und bleibt aber die Frage, was man als Unkraut und was man als Weizen ansieht - und ob man sich Zeit lässt, beides zu unterscheiden. Diese Vorgehensweise schlägt Jesus vor. Er erzählt ein Gleichnis, indem ein Mann guten Weizen auf seinem Acker sät und dann alles Weitere sich selbst überlässt.
Doch hier beginnt schon das Problem. Die Knechte, die mit der Pflege des Ackers betraut sind, wittern die Gefahr des Unkrauts und wollen es ausreißen. Dem gebietet der Gutsherr Einhalt und zwar aus gutem Grund. Denn Unkraut und Weizen sind manchmal nicht so leicht voneinander zu unterscheiden. Das Gleichnis hat einen wirklichen Hintergrund. Auf den Äckern von Palästina wuchert nämlich ein Unkraut, das dem guten Weizen sehr ähnlich war. Die Gefahr bestand beides zu vernichten. Deshalb sagt Jesus: "Überstürzt nichts!" In der Gewissheit, dass Gott guten Weizen auf seinen Acker gesät hat. Und dieses Gute kann er wachsen  lassen. Denn es wird sich am Ende durchsetzen!

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du willst das Glück der Menschen. Dich bitten wir:

  • Für die Menschen, die ohne Arbeit sind: Lass sie ihre Selbstachtung nicht verlieren.
  • Für alle, die in eine Lebenskrise geraten sind: Lass sie Menschen begegnen, an denen sie Halt finden.
  • Für die Kranken und Leidenden: Lass sie Gottes Nächstenliebe durch helfende Menschen erfahren.
  • Für unsere Toten: Lass sie bei dir finden, wonach sie sich ein Leben lang gesehnt haben.

Du Gott, bist der Herr der Ernte. Dich loben und preisen wir in Ewigkeit.

Schlussgebet
Barmherziger Gott, höre unser Gebet. Gib, dass wir die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen und als neue Menschen leben. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Wort der Freude
Die Weisheit verleiht Abstand, aber nicht einen Abstand der Weltferne. Sie lässt den Menschen über den Dingen stehen, ohne sie zu verachten. Sie lässt uns die Welt mit den Augen - mit dem Herzen - Gottes sehen. Sie lässt uns mit Gott "Ja" sagen, auch zu unseren Grenzen, auch zu unserer Vergangenheit mit ihren Enttäuschungen und Sünden.
Denn wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt. Aus der versöhnenden Kraft dieser Weisheit erblühen dann Güte, Geduld, Verstehen  und - jene köstliche Zierde des Alters: der Humor. (Johannes Paul II.)

Ein gesegneten Sonntag und viel Freude wünscht Ihnen Pfarrer Wolfgang Jäger.