Tagesimpuls 30. März 2020

Die Kraft des Gebetes

Das Gebet ist ein Gespräch - ein Gespräch zwischen Gott und mir. Das Wichtigste ist natürlich nicht, was ich sage, sondern was Gott sagt. Deshalb gilt es im Gebet vor allem zu hören. Ein  paar Beispiele.

Vielleicht gibt es eine Beschäftigung, einen Auftrag, den ich gerne hätte. Und ich breite alle meine Argumente vor Gott aus. Er hört zu, villeicht mit einem Lächeln. Und plötzlich verstehe ich, gerade als ob er im Klartext gesagt hätte: Es war meine Selbstsucht, die wieder einmal im Vordergrund stand, und ich habe meine Kräfte überschätzt. Ich bin für diese Aufgabe nicht geeignet.

Oder vielleicht das Gegenteil; ich wollte so gerne, aber ich war unsicher, ob ich es wagen sollte. Ich bat Gott um Rat. Und er gab grünes Licht: Bewirb dich um die Stelle! Und ich bewarb mich. Vielleicht habe ich sie bekommen, vielleicht habe ich sie nicht bekommen. Aber dadurch, dass ich mich bewarb, erhielt ich eine andere Stelle, für die ich besser geeignet war.

Beten bedeutet wahrhaftig nicht nur Abendgebet und Morgengebet und Tischgebet. "In allen Dingen lasst eure Bitten und Flehen mit Danksagung vor Gott kommen!" schreibt der Apostel Paulus. Zu jeder beliebigen Zeit am Tag - oder in der Nacht, wenn wir nicht schlafen können - dürfen wir Gott um Rat fragen und Kraft und Frieden von ihm empfangen.

Wir haben das Recht, zu glauben, dass immer etwas durch unser Gebet geschieht. Vielleicht ist es meist etwas, das in uns selbst geschieht: Wir lernen, besser zuzuhören, besser zu gehorchen. Aber Jesus setzt keine Grenzen dafür, was unser Gebet vermag. Wir können ganz kindlich darauf vertrauen, dass Gott eingreift und sowohl die äußeren Bedingungen als auch die innersten Gedanken der Menschen verändert. Es lohnt sich immer zu beten.

Gott hört  immer auf unsere Gebete. Manchmal erhört er uns auf eine Weise, die unsere verwegensten Erwartungen weit übertrifft. Manchmal lässt die Erhörung unseres Gebetes auf sich warten, aber während des Wartens sollen wir weiter beten. Einmal ist es so, als ob Gott NEIN zu unserem Gebet gesagt hat: Wir beten um Leben, aber es kam der Tod. Dann müssen wir das akzeptieren. Gott, der Vater im Himmel, hat immer einen Grund für das, was er tut, einen Grund, den wir vielleicht erst im Jenseits erfahren dürfen.

In christlichen Kreisen sagt man, dass das Gebet die stärkste Macht der Erde sei. Das ist wahr, denn das Gebet setzt uns in Verbindung mit unserem Schöpfer und Erlöser, und wir empfangen einen Frieden, der größer ist als alle Vernunft, und eine Kraft, die nicht von  dieser Welt ist.

Wir, die wir regelmäßig beten, verstehen nicht, wie sich die zurechtfinden, die nicht beten. Für uns ist das Gebet lebensnotwendig, ohne Gebet könnten wir das Leben nicht bewältigen. Deshalb möchten wir das Gebet so gerne an künftige Generationen weitergeben.

Danke, lieber Vater, dass wir zu dir beten dürfen. Amen

aus: Victorias Gebetbuch / hrsg. von der Hofgemeinde Stockholm, ausgesucht von Günter Polanz