Tagesimpuls Mittwoch 20. Mai 2020

Biblische Grammatik

Wissen Sie noch, wie die Zehn Gebote beginnen? Die meisten werden antworten: "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!" Und so geht es gerade weiter: Du sollst dies und das und du darfst jenes nicht… So hat man es gelernt - richtig ist es allerdings nicht.

Die Zehn Gebote beginnen nicht mit "Du" - sie beginnen mit "Ich": "Ich bin Jahwe, dein Gott."

Übersetzt heißt: das: Ich bin der, der immer für dich da ist! "Ich bin dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus."

Das ist der Anfang der Zehn Gebote: Gott erinnert an alles, was er für jeden einzelnen von uns getan hat.

Und dann erst geht es weiter. Wir übersetzen die folgenden Gebote meist mit: "Du sollst..." Das ist zwar nicht falsch, aber verwirrend. Im hebräischen Original steht hier nicht die Befehlsform, die Gebote stehen alle im Imperfekt. Also der Form, die angibt, dass etwas jetzt und in Zukunft wirkt und Bedeutung hat.

Sinngemäß richtig müsste also übersetzt werden:

  • Denke daran, was Gott schon alles für dich getan hat
  • Glaube daran, dass er es gut mit dir meint.
  • Dann wirst du gar nicht auf die Idee kommen, gegen seinen Willen zu handeln.

Und jetzt übertragen Sie mal diese Form auf alle zehn Gebote. Und dann klingt das doch schon ganz anders, oder!?

Einen schönen Tag noch und – egal was ihr tut: Gott sei mit euch!

Ihr/Euer Diakon Steffen Tröster