Tagesimpuls Sonntag 15. November 2020

33. Sonntag im Jahreskreis (Volkstrauertag)

Liebe Schwestern und Brüder,
heute ist in Deutschland der Volkstrauertag, ein Tag der Trauer um alle deutschen Soldaten und auch der zivilen Opfer der beiden Weltkriege. Es ist schmerzlich, dass so viele Menschen in den Kriegen ihr Leben lassen mussten. Dadurch wurden viele Familien zerstört - und Kinder mussten darunter leiden.
Es ist gut, wenn wir dieser Opfer gedenken. Und es ist gut, wenn wir auf diese Katastrophen zurückblicken und für die Zukunft daraus lernen. Denn jeder Krieg ist verwerflich. Es ist gut, wenn der heutige Volkstrauertag die Sehnsucht nach Frieden auf der Welt stärken kann.
Auch im heutigen Evangelium geht es um den Frieden in der Welt. Es geht um das Reich Gottes, das Jesus Christus durch Taten des Friedens uns vorgelebt hat.

Tagesgebet
Gütiger Gott, dein Sohn hat jene seliggepriesen und deine Kinder genannt, die für den Frieden wirken. Gib uns die Bereitschaft, immer und überall für die Gerechtigkeit einzutreten, die allein den wahren Frieden sichert. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Nach langer Zeit kehrte er zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen.
Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen. Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn! (Mt 25,14-15.19-21)

Kurzauslegung
Für viele Menschen ist der Monat November als Zeit des Sterbens der Natur eine besondere Zeit der Nachdenklichkeit. Daneben steht am Beginn des Monats auch noch das persönliche Totengedenken an Allerseelen und am heutigen Volkstrauertag die Erinnerung an die Opfer der Weltkriege.
So kommt besonders in diesem Monat die Grenze des eigenen Lebens in den Blick. Aber auch die Frage nach der Endlichkeit der Welt. Darüber und über die Zukunft dieser Welt machen sich viele Menschen ihre Gedanken, auch Wissenschaftler wie Physiker, Chemiker, Astronomen oder Wetterforscher.
Um das Jahr 70 n.Chr. erhob sich das Volk der Juden gegen die Herrschaft der Römer in Palästina. Der Versuch, die Besatzer aus dem Land zu vertreiben, scheiterte. Die Weltmacht Rom sandte Soldaten nach Palästina, Jerusalem wurde erobert und der Tempel zerstört.
Im heutigen Evangelium geht es um das Gegenteil des Krieges, so wie es unter uns Menschen eigentlich sein sollte - um den Frieden. Wir hören ein Gleichnis für das Reich Gottes. Der zentrale Gedanke der Botschaft Jesu war und ist die Verkündigung dieser Gottesherrschaft, dieser Zeit des umfassenden Friedens.
Er selbst hat es den Menschen vorgelebt, hat davon immer wieder erzählt und so dafür gesorgt, dass dieses Reich schon unter den Menschen anbricht. Er wollte seine Zuhörer allerdings nicht unbeteiligt lassen, deshalb dieses Ende: Er rüttelt auf und macht nachdenklich. Jeder der drei Diener bekommt Silbergeld. Aber nicht alle bekommen die gleiche Zahl von Talenten.
Das bedeutet wiederum, dass nicht von jedem dasselbe erwartet wird. Niemand wird überfordert oder mit einem falschen Maß gemessen. Das heißt, dass in den Augen Jesu jeder das für das Reich Gottes tun soll, was er persönlich auch leisten kann.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, du bist der Fürst des Friedens und Gerechtigkeit. Dich rufen wir an:

  • Wir beten für die gefallenen Soldaten und Opfer der beiden Weltkriege.
  • Wir beten für alle, über die Krieg, Angst und Lied hereingebrochen sind.
  • Wir beten für die Mächtigen dieser Welt: um die Ergreifung von Maßnahmen zur Sicherung des Friedens.
  • Wir beten für alle, die uns am Herzen liegen und an die wir besonders denken, weil wir uns um sie sorgen.
  • Wir beten für die Opfer und deren Angehörigen von Terroranschlägen.
  • Wir beten für alle Verstorbenen um das Reich des ewigen Lebens und Geborgenheit bei Gott.

Bei dir, o Gott finden wir Zuflucht. Dich loben und preisen wir in Ewigkeit.

Schlussgebet
Herr und Gott, du hast uns mit dem Leib und Blut deines Sohnes gestärkt. Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe, damit wir dem Frieden dienen, den uns Christus geschenkt hat, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Wort der Freude und des Trostes
Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Denn so spricht der Herr: Seht her: Wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und den Reichtum der Völker wie einen rauschenden Bach. Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen und auf den Knien schaukeln. Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch. In Jerusalem findet ihr Trost. Wenn ihr das seht, wird euer Herz sich freuen und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras. (Aus dem Buch des Propheten Jesaja)

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Wolfgang Jäger