Tagesimpuls Sonntag 1. Advent 29. November 2020

1. Adventsssonntag

Liebe Schwestern und Brüder,
in der Adventszeit bereiten wir uns schon auf das weihnachtliche Hochfest vor, auf das Kommen des Sohnes Gottes. Der Ruf zur Wachsamkeit gehört zur Adventszeit. Wir werden ihn auch heute im Evangelium mitbekommen. "Wachet auf" - ist ein Aufruf, bereit zu sein für Christus. So ist der Aufruf für uns eine Einladung, unser Bewusstsein für den Herrn zu öffnen.

Tagesgebet
Herr, unser Gott, alles steht in deiner Macht; du schenkst das Wollen und das Vollbringen. Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen und uns durch Taten der Liebe auf seine Ankunft vorbereiten, damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit. Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Seht euch vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen. Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam! (Mk 13,33-37)

Kurzauslegung
Wir können nicht leben, ohne nach der Zukunft zu fragen. Die Sorge für den nächsten Tag lässt uns nicht los. Was werde ich morgen tun? Was wird das nächste Jahr bringen? Werde ich diesen oder jenen Menschen wiedersehen? Es gibt viele Fragen. Wir planen für morgen oder übermorgen, für Wochen, Monate und Jahre. Wir hoffen und fürchten, sorgen und freuen uns auf das, was kommt. Jeder will ein klares Ziel vor Augen sehen. Ein Ziel vor Augen zu haben bedeutet auch, einen Sinn in seinem Leben zu sehen.
Doch wir fragen nach der Zukunft nicht nur für uns selbst. Wir fragen für die Familie, die Gemeinde, die Kirche, das Volk oder für den Frieden in der Welt. Wir fragen aber auch nach dem Ganzen. Gibt es eine Vollendung des Lebens, Glück und Frieden auf ewig? Wir fragen nach dem Sinn überhaupt. Nach dem Sinn dieser Welt. Wer bestimmt das Leben der Menschen und die Weltgeschichte?
Wie brüchig Glück und Frieden sind, können wir täglich in der Zeitung lesen. Das bedeutet: Unsere Zukunft ist unsicher! Wir wollen aber unsere Zukunft meist selbst festlegen - und wiegen uns so in einer falschen Sicherheit. Wir dürfen uns nichts vormachen. Die kommenden Dinge haben wir nicht in der Hand.
Jesus möchte uns mit seinem Aufruf zur Wachsamkeit nicht drohen. Er will uns ermutigen. Er nimmt uns in seine Verantwortung. Wachsein bedeutet, auf die Zeichen der Zeit zu schauen und die Wirklichkeit in den Blick zu nehmen. Wachsein bedeutet, die Gegenwart bewusst zu leben. Dies heißt auch, den eigenen Blick für die Nöte und Sorgen der Mitmenschen zu schärfen. Zu wachsamen Torhütern sollen wir werden, so dass der Herr kommen kann.

Fürbitten
Jesus Christus ruft uns auf, wach zu sein für sein Kommen. Ihn bitten wir:

  • Führe die Völker, die sich aus der Abhängigkeit befreien, zu einer gerechten und friedvollen Ordnung.
  • Tröste alle, deren Leben durch  Unglücksfälle oder Krankheiten bedroht ist, und stärke ihren Lebensmut.
  • Wecke in uns das Gespür für die Nöte und Sorgen unserer Mitmenschen.
  • Stehe den Sterbenden bei und nimm sie auf in die ewige Gemeinschaft mit Gott, unserem Vater.

Barmherziger Gott, durch das Kommen deines Sohnes Jesus Christus sind wir reich geworden. Dir sei Lob und Dank jetzt und in Ewigkeit.

Schlussgebet
Herr, unser Gott, du hast uns an deinem Tisch mit neuer Kraft gestärkt. Zeige uns den rechten Weg durch diese vergängliche Welt und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche, damit wir in allem dein Reich suchen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wort der Freude
Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit, ich will dir singen und spielen. Wach auf, meine Seele! Wacht auf Harfe und Saitenspiel! Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist. (Aus Psalm 108)

Einen gesegneten 1. Advent  wünscht Ihnen Pfarrer Wolfgang Jäger