Tagesimpuls Sonntag 8. November 2020

Patrozinium in Engstingen

Liebe Schwestern und Brüder,
wir feiern heute in Engstingen das Hochfest des Hl. Martin, unser Patrozinium. Der Hl. Martin war ein besonderer Mann. Er hatte ein großes Herz. Darum haben ihn die Menschen nicht vergessen. Die Mantelteilung mit dem Bettler und sein Wirken als Bischof von Tours im 4. Jh. haben ihn bekannt gemacht. Er ist immer noch der Heilige als Vorbild im Teilen.
Er und die Menschen, die eine große Not erleiden, rufen uns auch heute zu: "Mach es wie der Hl. Martin und teile." Martin sah die Not des Bettlers und wollte helfen. Sein Soldatenmantel war ein großer Umhang. So konnte er ihn auseinanderschneiden. In unserer Zeit würde dies nicht viel bringen. Wir sollen in anderer Weise helfen.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott, der heilige Bischof Martin hat dich in seinem Leben und in seinem Sterben verherrlicht. Lass auch in uns die Macht deiner Gnade wirksam sein, damit weder Tod noch Leben uns von deiner Liebe trennen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.
Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.
Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meinen geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt 25,31-40)

Kurzauslegung
In einem bekannten St.-Martins-Lied singen die Kinder: "St. Martin ritt mit leichtem Mut, sein Mantel deckt ihn warum und gut; im Schnee, da saß ein armer Mann, hat Kleider nicht, hat Lumpen an."
Es gibt viele Menschen, die auf der Straße leben - mittlerweile auch hier bei uns. Nicht wenige von ihnen wurden durch einen Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen: gestern noch eine gute Arbeitsstelle mit entsprechendem Lohn oder Gehalt - und heute arbeitslos. Natürlich gibt es bei uns immer noch ein gut funktionierendes, soziales Netz.
Aber dennoch fallen immer wieder Menschen durch - und landen buchstäblich auf der Straße, mit alle den bekannten Folgen. Als Antwort auf solche soziale Notsituationen gibt es neben anderen Initiativen auch die karitative Antwort der Kirche. Die Forderung des Evangeliums, sich um den Nächsten zu kümmern wird praktiziert von vielen Menschen.
Beides ist wichtig: Die eigene Initiative vor Ort  und die Unterstützung durch die Hilfswerke. Man hört immer wieder die Sorge und Fragen der Menschen: "Kommt meine Hilfe auch richtig an?" Dazu ist zu sagen: Es gibt bei den Hilfsorganisationen strenge Vorschriften und Regeln, um einen Missbrauch auszuschließen. Den Missionaren, die in anderen Ländern ihren Dienst tun wird schon auf den Weg gegeben, dass in diesen Ländern vieles fremd sein wird. Sie sollen also damit rechnen, dass in anderen Erdteilen die Länder auch Fehler machen können und Zeit brauchen.
Mutter Teresa von Kalkutta wurde einmal von einem Mann gefragt, was man gegen die Not der Menschen in Indien machen könnte. Sie antwortete: "Kennen Sie die Armen ihrer Stadt?" Das heißt übertragen auf uns heute: Wir sollen die Not auch vor unserer eigenen Haustüre sehen, zusammen mit der Not in anderen Ländern.

Fürbitten
Auch heute gibt es viele Menschen, die Not leiden. Deshalb bitten wir auf die Fürsprache des Hl. Martin:

  • Guter Gott, hilf uns, wie St. Martin, die Anderen zu sehen und ihnen Gutes zu tun.
  • Guter Gott, hilf uns, auch nah bei denen zu sein, die einsam sind.
  • Guter Gott, wir bitten für alle Obdachlosen und Heimatlosen.
  • Guter Gott, du siehst auch die Kranken. Hilf, dass die Kranken nicht alleine sind.
  • Wir beten für alle Verstorbenen: dass ihr Wunsch in Erfüllung gehe, bei dir zu wohnen.

Dafür danken wir dir, jetzt und an allen Tagen bis in Ewigkeit.

Schlussgebet
Herr, unser Gott, in diesem Mahl hast du uns das heilige Brot gereicht als Zeichen der Einheit und als Erweis deiner Vatergüte. Hilf uns, nach dem Vorbild des heiligen Martin deinen Willen zu tun, damit wir gleich ihm dir wahrhaft angehören. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wort der Freude und des Trostes
Kinder freuen sich auf das St. Martins-Fest oder andere Feste. Sie freuen sich, wenn ein Kind ein Geschwisterchen bekommt oder eine besondere Reise machen darf. Die Kinder teilen das Leid mit dem Kind, das sich wehgetan hat, sie trösten es mit zuversichtlichen Worten, pusten auf die schmerzende Stelle. Ein Kind, das aus irgendeinem Grund traurig ist und weint, wird mit lieben Worten, Streicheln und einem Taschentuch zum Tränentrocknen getröstet. (Aus: Kinder feiern St. Martin)

Ein gesegnetes Fest wünscht Ihnen Pfarrer Wolfgang Jäger