Tagesimpuls Sonntag 4. Oktober 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

wir feiern heute das Erntedankfest. Schon im Alten Testament hat es Feste gegeben, die mit dem Jahreslauf der in der Landwirtschaft Tätigen zusammenhingen. In Zeiten der Dürre oder Heuschreckenplage wussten sie daher die Fruchtbarkeit des Gelobten Landes und einer guten Ernte zu schätzen.
So gab es auch mehrere Erntedankefeste, z.B. das Laubhüttenfest - dies war das Dankfest für die Weinernte. In diesem Sinne wollen auch wir das Fest begehen und Gott für die reiche Ernte danken. Wir dürfen froh sein über das, was auf unseren Feldern wächst.

Tagesgebet
Gott, unser Vater, du sorgst für deine Geschöpfe. Du hast dem Menschen die Erde anvertraut. Wir danken dir für die Ernte dieses Jahres. Nähre damit unser irdisches Leben und gib uns immer das tägliche Brot, damit wir dich für deine Güte preisen und mit deinen Gaben den Notleidenden helfen können. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seinen Anteil an den Früchten holen zu lassen.
Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den anderen töteten sie, einen Dritten steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso.
Zuletzt schickte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten, damit wir seinen Besitz erben. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?

Kurzauslegung
Wieder ist ein Erntejahr fast zu Ende. Wir feiern es in Dankbarkeit für den guten Ertrag, den unsere Gärten und Felder gebracht haben. Reife Früchte, Blumen und Brot sprechen unsere Sinne an und wecken Dankbarkeit und Freude. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir jeden Tag satt werden. Wir können Gott dafür danken.
Das heutige Evangelium ist ein erschütternder Bericht. Jesus spricht hier zu den Ältesten und Hohenpriestern, den Verantwortlichen. Es geht um die Erwählung eines neuen Bundesvolkes. Denn das alte Bundesvolk "Israel" - vertreten durch die Ältesten, Schriftgelehrten und Hohenpriester erkennt Christus nicht.
Das Gleichnis ist sehr beeindruckend. Da verpachtet ein Mann seinen Weinberg an Winzer und erwartet natürlich den gerechten Lohn. Er erwartet einen bestimmten Teil des Ertrages. Dann schickt er seine Knechte hin, um seinen Anteil abzuholen. Die Pächter aber behandeln sie nicht gut. Sei mißhandeln sie und bringen sie sogar um.
Und dies passiert sogar seinem Sohn. Warum denn eigentlich? Es ist gewissermaßen eine Geschichte, die jede menschliche Gemeinschaft übertrifft. Wir würden eigentlich sagen, dass so etwas normalerweise nicht geschieht. Aber zwischen Mensch und Gott ist so etwas geschehen.
Jesus weist den Unglauben des alttestamentlichen Volkes - hier vertreten durch die Schriftgelehrten und Ältesten - als Hüter des Gesetzes als Torheit aus.
Denn im Alten Testament, in den Psalmen und bei den Propheten ist doch alles vorausgesagt.
Sie haben es also schwarz auf weiß und dennoch erkennen sie Jesus nicht. Ihr  Unglaube ist deshalb ein widersinniges Verhalten und eine unverständliche Torheit. Es ist Ungehorsam gegenüber dem ihnen im Alten Testament gegebenen Wort Gottes.

Fürbitten
Wir beten zu unserem Herrn, der uns diese Welt anvertraut hat:

  • Lass unsere Dankbarkeit wachsen für die Güter der Erde.
  • Wir bitten um den Ausgleich zwischen den armen und reichen Ländern.
  • Wir beten für alle, die ihre Fähigkeiten zum Wohl der Menschen einsetzen.
  • Wir beten für alle Verstorbenen um den ewigen Frieden bei Gott.

Gott, im Himmel, du hast uns mit deinen Gaben reich beschenkt. Dich preisen wir in Ewigkeit. Amen.

Schlussgebet
Herr, in dieser heiligen Feier haben wir dir für dir Ernte des Jahres gedankt. Schenke uns als Frucht dieses Opfers die ewigen Güter, welche die Erde nicht geben kann. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wort der Freude
Die Herrgottskinder
Von oben sieht der Herr darein,
ihr dürft indes der Ruhe pflegen.
Er gibt der Arbeit das Gedeihn
und träuft herab den Himmelssegen.
Und wenn dann die Blüte, die Saaten stehn,
so lässt er die Lüftlein darübergehn,
auf dass die Halme zusammenbeugen
und frisch aus der Blüte das Korn erzeugen,
und hält am Himmel hoch die Sonne,
dass alles reife in ihrer Wonne.
Da stünd es den Bauern wohl prächtig an,
das alles in ihren Scheuern zu laden.
(Theodor Storm)

Einen gesegneten und schönen Sonntag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer. Wolfgang Jäger.