Tagesimpuls Sonntag 13. September 2020

24. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
als Menschen wissen wir, dass Menschen einander unrecht tun. Manchmal verlieren wir  den Blick für die Menschen um uns herum. Wir gehen über das Ziel hinaus. Als Christen wissen wir, dass wir einander vergeben sollen.
Aber gibt es eine Grenze der Vergebungsbereitschaft? Ist es den Menschen möglich in allen Situationen zu vergeben? Auf diese Frage werden wir im heutigen Evangelium die Antwort Jesu in einem Gleichnis hören.

Tagesgebet
Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge, sieh gnädig auf uns. Gib, dass wir dir mit ganzem Herzen dienen und die Macht deiner Liebe an uns erfahren. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich gesündigt hat? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen.
Da fiel der Diener vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr hatte Mitleid mit dem Diener, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Diener hinausging, traf er einen anderen Diener seines Herrn, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte ihn und rief: Bezahl, was du mir schuldig bist! Da fiel der andere vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die übrigen Diener das sahen, waren sie betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.
Da  ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Diener! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich so angefleht hast. Hättest nicht auch du mit jenem, der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt. (Mt 18,21-35)

Kurzauslegung
Dass Gott grenzenlos bereit ist zu Vergebung und Versöhnung, ist eine der wesentlichen  Aussagen der Bibel. Zugleich gilt aber auch, dass der schuldig gewordenen Mensch bereit sein muss, diese Versöhnungsbereitschaft anzunehmen und auch selbst vergebungsbereit ist.
Jeder Mensch macht immer mal wieder Fehler. Petrus fragt, ob er siebenmal vergeben soll. Sieben ist im jüdischen Denken das Symbol für Vollkommenheit. Petrus hat gehört, dass Jesus gesagt hat: "Eure Gerechtigkeit soll größer sein als die der Schriftgelehrten und Pharisäer." Diese lehrten, dass man zwei oder dreimal vergeben muss. Petrus weiß, dass Jesus gesagt hat: "Seid vollkommen, wie es auch euer himmlischer Vater ist." Er fragte also: "Muss ich vollkommen sein, also immer und alles vergeben?" Wenn wir diese Forderung für unser alltägliches Leben anschauen, hört sich dies sehr schwierig an.
Wie ist es, wenn ich ein großes Unrecht erfahren habe oder wenn es Opfer in einem Krieg oder Terroranschlag gibt? Ist den Tätern sofort alles zu vergeben? Jesus hat mit seiner Aussage über die Vergebung sicher nicht diktatorische Staatsordnungen oder schwere Verbrechen gemeint, die ungestraft bleiben sollen. Jesus hat seine Forderungen nicht als Maßstab im heutigen rechtlichen Sinn gesehen, die unbedingt und ohne Ausnahme gelten. Wir können nicht ideale Menschen sein, aber wir können versuchen dem Ideal der Barmherzigkeit und Vergebung nahe zu kommen.

Fürbitten
Lasst uns  zu Christus beten, der uns mit seiner Liebe grenzenlose Barmherzigkeit schenkt:

  • Wir beten für die Annahme und Erfahrung der Vergebung aller Menschen.
  • Wir bitten für alle Menschen, die in Schwierigkeiten und Nöten sind.
  • Wir bitten um den Frieden in allen Ländern
  • Nimm alle Verstorbenen auf und schenke ihnen deine Gnade

Gütiger Gott, du bist in deiner Liebe immer bei uns. Dich preisen wir in Ewigkeit.

Schlussgebet
Herr, unser Gott, wir danken dir, dass du uns Anteil am Leib und Blut Christi gegeben hast. Lass nicht unser eigenes Streben Macht über uns gewinnen, sondern gib, dass die Wirkung dieses Sakramentes unser Leben bestimmt. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Wort der Freude
Für die Redlichen hält er Hilfe bereit, den Rechtschaffenen ist er ein Schild. Er hütet die Pfade des Rechts und bewacht den Weg seiner Frommen. Dann begreifst du, was Recht und Gerechtigkeit ist, Redlichkeit und jedes gute Verhalten. Denn Weisheit zieht ein in dein Herz, Erkenntnis beglückt deine Seele.
Aus dem Buch der Sprichwörter von König Salomo

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Wolfgang Jäger