Tagesimpuls Sonntag 20. September 2020

25. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
im heutigen Evangelium hören wir eine Botschaft, die schon immer für Unverständnis und Ablehnung gesorgt hat: Gleicher Lohn für ungleiche Arbeit. Was aber auf den ersten Blick ungerecht erscheint, ergibt erst einen Sinn, wenn wir die Denkart Gottes von der Denkart der Menschen unterscheiden.
Zur Zeit Jesu war ein Denár so viel, was die Menschen für einen Tag zum Leben brauchten. Aber Gott gibt uns das, was einer unabhängig von seinem Leistungsvermögen - in seinem Leben braucht. Wichtig ist vor allem der Glaube an ihn.

Tagesgebet
Heiliger Gott, du hast uns das Gebot der Liebe zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen als die Erfüllung des ganzen Gesetzes. Gib uns die Kraft, dieses Gebot treu zu befolgen, damit wir das ewige Leben erlangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.
Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen.
Um die sechste Stunde und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zum ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denár. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denár.
Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzen haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denár mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebensoviel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin. So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.

Kurzauslegung
Dass der Gutsbesitzer noch um die 11. Stunde Arbeiter einstellt, erscheint ungewöhnlich. Hier zeigt sich schon, dass er aus dem Rahmen des Normalen herausfällt. Er ist offenbar daran interessiert, dass alle Arbeitslosen noch eine Arbeit finden.
Das ungewöhnliche im Verhalten des Herrn steigert sich noch. Als am Abend der Tageslohn ausgezahlt wird, geschieht etwas völlig Unerwartetes: Die zuletzt eingestellten Arbeiter erhalten den gleichen Lohn wie diejenigen, die schon am frühen Morgen zur Arbeit gekommen sind. Das muss bei allen, die an Gerechtigkeit denken, seltsam erscheinen. Das "Murren" der offensichtlich "benachteiligten Arbeiter“ ist verständlich.
Dieser jedoch spricht jeden Arbeiter persönlich als "mein Freund" an. Er hat den Arbeitsvertrag erfüllt, indem er den vereinbarten Lohn gezahlt hat. Mit dieser Maßnahme sind wir Menschen gefragt, ob wir von Jesus lernen wollen. Ob wir mit Gottes Augen sehen möchten und dem Neid eine Absage erteilen.
In Jesus Verhalten sehen wir die Güte Gottes, die seine besondere Gerechtigkeit ist. Bei der Betrachtung dieser Güte ist das Leistungsprinzip des heutigen Menschen nur noch zweitrangig. Die meisten von uns haben sicher gedacht, das darf doch nicht wahr sein, dass ein Winzer seine Arbeitnehmer so ungerecht behandelt, was den Lohn anbelangt. Das Gleichnis stellt aber ausdrücklich fest, dass der Gutsbesitzer und Arbeitgeber keinem seiner Arbeiter Unrecht tat, sondern jedem den vereinbarten Tagelohn gab. Darum könnte dieses Gleichnis auch das Gleichnis vom großzügigen Gutsbesitzer genannt werden.

Fürbitten
Zu Gott, der gütig und barmherzig ist, rufen wir:

  • Nimm dich aller an, die arbeitslos sind  und kaum das Nötigste zum Leben haben.
  • Für alle Arbeitskollegen: dass sie sich gegenseitig annehmen, wie sie sind.
  • Lasst uns beten für alle, die ihr Leben und ihre Kraft für den Dienst an den Mitmenschen einsetzen.
  • Nimm die Verstorbenen in dein Reich auf, wo sie dich für immer von Angesicht zu Angesicht schauen dürfen.

Gütiger Gott, dein Reich ist schon mitten unter uns. Dich preisen wir in Ewigkeit.

Schlussgebet
Allmächtiger Gott, du erneuerst uns durch deine Sakramente. Gewähre uns deine Hilfe und mache das Werk der Erlösung, das wir gefeiert haben, auch in unserem Leben wirksam. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Wort der Freude
Siehe dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft. (Sacharja 9,9)