Tagesimpuls Sonntag 27. September 2020

26. Sonntag im Jahreskreis (Caritas-Sonntag)

Liebe Schwestern und Brüder,
heute feiern wir den Caritas-Sonntag 2020. Unter dem Motto: "hier und jetzt helfen" werden karitative Aufgaben in den Kirchengemeinden sowie Dienste und Projekte der Caritas vor Ort unterstützt.
Einen besonderen Schwerpunkt legt die Caritas mit ihrer Jahreskampagne 2020 auf das Thema: "Sei gut, Mensch". Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht, heißt es im Philipper-Brief. Leben in Christus bedeutet, Maß zu nehmen an seinem Wort, an seinem Geist und an seiner Liebe und daraus unser Miteinander zu gestalten.

Tagesgebet
Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen. Darum nimm uns in Gnaden auf, wenn uns auch Schuld belastet. Gib, dass wir unseren Lauf vollenden und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Evangelium
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging  zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte ihm dasselbe. Dieser antwortete: „Ich will nicht.“ Später reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. (Mt 21,28-32)

Kurzauslegung
Heute wird in unseren Pfarreien und Gemeinden der Caritas-Sonntag gefeiert. Frage: Was haben Begriffe wie Humankapital, Lügenpresse und Gutmensch gemeinsam? Alle genannten Begriffe haben es zu einer fragwürdigen Berühmtheit gebracht: Sie sind alle schon einmal zum Unwort des Jahres gekürt worden.
Eines der genannten Unworte passt allerdings nicht in diese Reihe: Es ist das Wort "Gutmensch". 2015 wurde es zum Unwort erklärt. "Gutmensch" ist doch eigentlich ein Wort mit einem positiven Gehalt. "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen." So dachte und schrieb schon Johann Wolfgang von Goethe 1783.
Gut soll der Mensch sein, dazu ist er berufen, das unterscheidet ihn von allen anderen. Wie jedes Jahr gibt es beim Caritas-Sonntag ein besonderes Leitmotiv. Dieses heißt in diesem Jahr "Sei gut, Mensch". Das Wort vom Gutmenschen zum Leitwort zu machen, ist eine mutige Entscheidung der Caritas. Sie nimmt bewusst in Kauf, sich selber als weltfremd zu präsentieren. Aber gerade das ist der Grund, dieses Wort zu wählen. Denn es ist dringend notwendig, der Nächstenliebe und der Hilfsbereitschaft wieder ihren positiven Sinn zurückzugeben.
Wer ist eigentlich der Gute im heutigen Evangelium? Jesus stellt zwei Söhne zur Auswahl. Da ist der eine Sohn, der ganz selbstverständlich "Ja" sagt zum Auftrag seines Vaters. Er soll im Weinberg arbeiten. Er tut allerdings genau das Gegenteil. Er geht nicht in den Weinberg. Der andere Sohn hingegen weigert sich zunächst, der Anordnung des Vaters zu folgen. Aber dann bereut er seine Weigerung und geht doch in den Weinberg. Damit wird das heutige Evangelium für uns zu einer großen Einladung, es dem zweiten Sohn gleich zu tun. Er macht keine großen Versprechungen, aber er lässt am Ende die gute Tat sprechen.

Fürbitten
Herr, unser Gott, wir sollen deine Liebe in die Welt tragen. Dich bitten wir:

  • Für alle, die sich bemühen, ein glaubwürdiges christliches Zeugnis zu geben.
  • Für alle, die ihre Stimme erheben gegen die Ungerechtigkeit in dieser Welt.
  • Für alle, die sich haupt- oder ehrenamtlich in den Werken der Caritas engagieren.
  • Für alle, die unter Unfrieden und Unrecht zu leiden haben.
  • Für alle unsere Verstorbenen und für die Trauernden, die des Trostes bedürfen.

Herr, unser Gott, du schenkst uns die Kraft  und Zuversicht. Dafür danken wir dir in Ewigkeit.

Schlussgebet
Allmächtiger Gott, in der Feier der Eucharistie haben wir den Tod des Herrn verkündet. Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele und mache uns bereit, mit Christus zu leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Wort der Freude
"Liebe im Herzen zu haben und auf der Zunge, das genügt nicht - sie muss in Taten übergehen." (Vinzenz von Paul)

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Wolfgang Jäger.